10 Tage Kambodscha 🇰🇭

10 Tage Kambodscha 🇰🇭

Als nächstes Land meiner Weltreise war Kambodscha für 10 Tage an der Reihe.

Der Hauptgrund dort hin zu reisen war im Prinzip Angkor Wat. Schon vor Start der Reise wollte ich die Tempel auf jeden Fall sehen und Bangkok ist nur eine Flugstunde entfernt. Der Umweg über Chiang Mai war flugtechnisch zwar doof (doof bedeutet dann meistens teurer) aber was solls.

Es fährt auch ein Bus von Bangkok nach Siem Reap, aber davon raten einem online alle von ab, da die Landesgrenze viel Zeit in Anspruch nehmen soll und die Grenzsoldaten gerne etwas extra Geld kassieren sollen. Jedoch habe ich auch einige getroffen die den Bus genommen und keine Probleme hatten.

So viel wusste ich vorher gar nicht über das Land. Man kennt es als ein Ziel der Backpacker, die in der Ecke unterwegs sind da die Länder Laos, Vietnam, Kambodscha und Thailand sehr geschickt liegen um es nacheinander zu bereisen.

Dann gab es noch diesen Vietnamkrieg und irgendwie war Kambodscha da beteiligt aber das war es dann auch großteils.

Auf dem Flug nach Siem Reap habe ich mich dann bisschen informiert und ja die Geschichte von Kambodscha ist ziemlich traurig. Trotzdem hat es mich und vllt auch gerade deswegen gleichzeitig sehr interessiert.

Einreise

Um in Kambodscha einreisen zu können muss man ein Passfoto und 30 USD (möglichst passend) dabei haben. Ohne Passfoto kostet es 32 USD.

Vom Flughafen fahren dann Taxen für nen Fixpreis von 10 USD bis in die Stadt. Sollte man wenn möglich auch gleich vorher dran denken und dabei haben. Die Wechselstube hatte bereits geschlossen als ich ankam. Zum Glück hat mir ne Amerikanerin 5 USD fürs Taxi geschenkt. Danke!

Die ersten Überraschungen waren dann, dass man in Cambodia alles in US Dollar bezahlt, weil deren Währung zu schwach ist (alles kleiner als 1USD bekommt man in der Landeswährung zurück) und man auf der rechten Spur Auto fährt. Liegt daran, dass die Franzosen sich das Land im Kolonialzeitalter geschnappt haben.

Ansonsten fallen einem direkt die Straßen und das allgemeine Erscheinungsbild auf. Wenn man es zu den Ländern davor vergleicht, alles etwas heruntergekommener. Viele Schlaglöcher sind während der Regenzeit so gut wie immer mit Wasser gefüllt und alles wirkt etwas älter.

Da es dem Land und der Wirtschaft nicht sonderlich gut geht, wirkt sich das dann auch auf das Einkommen der Leute und die Preise aus. Selbst im Tourizentrum der Stadt zahlt man meist für ein gezapftes Bier 0,50 USD.

Das Essen gibt es meistens auch für paar Euro. Außer man gönnt sich genau im Zentrum Westernfood, was einem dann doch an die 10€ kostet. Ist aber total unnötig. Nicht weit entfernt in den Seitenstraßen zahlt man deutlich weniger.

Grund für den Rückstand von Jahrzehnten, mal um Vergleich zu Thailand gesehen, ist dann eben die Historie.

Hm sollte ja ein Reiseblog und keine Geschichtsstunde sein. Aber irgendwie habe ich mich echt damit beschäftigt und daher wird davon auch weiter unten berichtet.

Ich war sehr gemütlich unterwegs 😬 Bin wie gesagt in Siem Reap gelandet und hatte 10 Tage Zeit bevor es wieder von Siem Reap nach Hongkong gehen sollte. So dachte ich mir, ich bleibe paar Tage hier und schaue mir dann noch etwas die ländlichere Gegend an oder sonstwas.

Aaaber das war nicht so einfach. Der Plan einen Scooter zu mieten schlug fehl, da es in der Stadt illegal ist Roller an Touristen zu vermieten?! Ist die einzige Stadt in Kambodscha, welche das so handhabt. Mir hätte zwar jeder Verleiher sofort einen Roller gegeben aber bei Problemen mit der Polizei wäre ich für alles verantwortlich gewesen.

Wollte ich dann auch nicht. Busse aufs Land gibt’s nicht. Unterkünfte auch eher nicht. Ansonsten hätte es noch Fernbusse gegeben. Vor allem nach Phnom Pen, der Hauptstadt. Aber auf große Stadt hatte ich keine Lust.

Dort wären zwar die bekannten Killing Fields (größte Gedenkstätte bzw Massengrab des Völkermords) gewesen aber sonst nicht viel. Und dafür Hin- und Rückfahrt zu bezahlen und 5-6 Stunden unterwegs zu sein. Nöö. Und so bin ich eben in Siem Reap geblieben. Blogeintrag heißt dann also eigentlich:

10 Tage in Siem Reap 😬

Angkor Wat

Die Hauptattraktion von ganz Kambodscha ist eindeutig die riesige Tempelanlage rund um Angkor Wat (genau genommen ist Angkor Wat ein einzelner Tempel). Erbaut von früheren Königen, welche dem Hinduismus angehörten, übertraf man sich gegenseitig und baute immer größere Tempel.

Zwischenzeitlich hat der Glaube dann zum Buddhismus gewechselt, was zum Glück nicht zur Zerstörung führte, sondern die Tempel wurden weiter genutzt. Höchstens wurden den Statuen die Köpfe, Hände oder sonst was abgeschlagen.

Weltweit wurde dann dank Angelina Jolie und dem Film “Tomb Raider” speziell der Tempel, bei welchem die Eingänge durch Bäume verwurzelt sind, bekannt.

So strömen dort viele viele Touristen zu den Tempeln und das lassen sich die Betreiber auch ganz gut vergüten. Es gibt 1-, 3- und 5-Tages Tickets, wofür man dann in den nächsten 2 Wochen Zeit hat gesplittet die Anlage zu betreten.

Für den 1-Tages Pass zahlt man ~30 USD und für den 3-Tages Pass 62 USD. Was im Verhältnis zum Bierpreis wirklich teuer ist! Aber dafür ist man ja eben nach Kambodscha gekommen und so zahlt jeder brav den Preis.

Traurig ist dann nur, dass von dem Geld laut Guide kaum etwas bei den Leuten ankommt. Das versickert irgendwo in der Regierung.

Apropo Guide. Den sollte man sich bei einer Tour immer dazu buchen. Vom Hostel und auch überall sonst werden die Touren angeboten. In meinem Hostel gab es die Sunset und dann die Sunrise-Tour. Schade bei der ersten Tour war eben, dass kein Guide dabei war (dachte ich eigentlich 😑).

So wurde ich und ein junges dänisches Paar von einem Tuktukfahrer zu den etwas kleineren Tempeln gefahren, die weiter außerhalb liegen und am Ende bei einem überfüllten Tempel abgeliefert von wo aus man den Sonnenuntergang anschauen konnte.

War dann eben so, dass man zwar viel gesehen hat und dies schon beeindruckend ist, aber ohne zu wissen was das alles denn eigentlich genau ist. Zumindest waren die Dänen sehr cool und da es deren 2. Tour war, konnten sie mir etwas über die Tempel erzählen.

Die Sunrise-Tour war paar Tage später dann mit Guide was das Ganze um ein vielfaches interessanter machte.

Da die Sonne um ~6 Uhr aufgehen sollte, startete die Tour um 4:30 Uhr 😱 Aber sowas gehört dazu. Kann mich nicht erinnern jemals in Schland freiwillig so früh aufgestanden zu sein 🙄

Den Sonnenaufgang schauen sich dann alle am Angkor Wat Tempel selbst an, um die bekannte Silhouette zu sehen. Das ist auch das Wahrzeichen des Landes und auf der Landesflagge zu finden. Der Sonnenaufgang war schön und der Himmel fast wolkenlos.

Anschließend besucht man dann noch Angkor Tom (ein Tempel dessen Anlage sogar größer ist als Angkor Wat und in derem Zentrum sich viele Gesichter befinden), Tomb Raider (wie bereits erwähnt) und einen naturbelassenen Tempel der echt cool war aber wo auch schon viel eingefallen ist.

Allgemein werden die Tempel restauriert wenn sich ein Partnerland findet, welches dies für Kambodscha übernimmt. So kümmert sich Schland zum Beispiel um Angkor Wat.

Die ganze Anlage ist vom Ausmaß her schon beeindruckend und dann sind die Tempel im einzelnen sehr cool und aufwendig gestaltet. Die Tempel unterscheiden sich untereinander vom Stil her, wodurch es nicht langweilig wird zum nächsten Tempel zu fahren. Wenn man dazu bedenkt dass es im 12. Jahrhundert erbaut wurde, ist es insgesamt sehr sehenswert!

Sehr cool war es dem Guide zuzuhören und zum einen den historischen Background aber auch etwas über die aktuelle Lage zu erfahren. So wurde uns erklärt, dass die komplette Regierung korrupt ist, diese eher Marionetten von Vietnam und China sind, Kambodscha zwar offiziell eine Demokratie ist, aber die Oppositionsparteien vor der Wahl verboten wurden und das ganze Geld des Tourismus sowie Holz und Reis nicht bei der Bevölkerung ankommt.

Das Geld fließe entweder nach China oder Vietnam (teilweise muss Kriegsmaterial abbezahlt werden) oder in die Taschen der Regierung.

Für meinen 3. Tag habe ich mir ein Fahrrad geliehen und habe mit Brunhilde einen kleinen Ausflug gemacht. War zwar anstrengend bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit aber mal wieder cool bisschen Sport gemacht zu haben.

Habe gedacht ich kann paar geheime Spots entdecken, aber nene Touristen überall. Und woran man selbst mit dem Fahrrad nicht verschont bleibt sind diese nervigen Verkäufer. Entweder Essen, Trinken, Souvenirs, Bücher, Röcke, alles. Sie schicken dann auch ihre Kinder los die dir erzählen das sie Hunger haben und “Sir 1 Dollar” hört man immer immer und nach dem 50. Mal ist es schwierig noch freundlich abzulehnen.

Auch etwas unschön ist, dass man während den Touren in Restaurants gefahren wird, wo alles viel zu teuer ist. Es sind dann trotzdem nur 5 USD, aber eben das fünffache als in der Stadt.

War Museum

Das Schöne ist, wenn man ausreichend Tage an einem Ort verbringt, man hat Zeit für andere Dinge als die klassischen Hotspots. So war ich an einem Tag im War Museum.

Kostet 5$ Eintritt und sie bieten eine kostenlose Führung an. Wobei am Ende eine Spende erwartet wird. Aber die Führung sollte man unbedingt machen wenn man dort ist.

Im Prinzip ist das Museum kein Highlight von den Dingen her, die man sieht. Es ist ein größerer Garten in dem alles ausgestellt wird, was man in den Jahren im Dschungel von Cambodia so gefunden hat. Da steht ein Hubschrauber, Panzer aus Russland, Artellerie aus Amerika, Gewehre, Bomben usw. Alles verrostet.

Die Botschaft des Museums ist nämlich ganz und gar nicht tolle Waffen zu zeigen, sondern zu vermitteln, dass diese Waffen böse und unnötig sind und dazu geführt haben wie es dem Land heute geht.

Mein Glück war, dass gerade nichts los war und so ein Guide für mich persönlich anwesend war. Ich kenne seinen Namen nicht aber er war so mitte 20. Und es war einfach mega interessant mit ihm zu quatschen.

Die erste halbe Stunde haben wir eigentlich gar nichts angeschaut sondern über die Geschichte erzählt und uns so ausgetauscht wie man mit so nem Völkermord im eigenen Land als folgende Generation so umgeht.

Also doch kurz Geschichtskunde. Kurz und ohne jegliche Quellen außer meiner Erinnerung (hoffentlich liest es der Fabi nicht) wobei ich es so im Detail auch nicht komplett verstanden habe.

Kambodscha war erstmal von den Franzosen eine beschützte Kolonie. Während dem 2. Weltkrieg wurde den Japanern erlaubt Kambodscha zu betreten. Die Japaner waren aber eher brutal statt freundlich unterwegs. Nach WW2 hat Frankreich dann mit Kambodscha einen Vertrag zur Selbstbestimmung mit französischen Einfluss ausgehandelt.

Richtig wild wurde es dann während dem Vietnamkrieg (1970 rum). Kommunisten (Nordvietnam, Vietkongs(Guerillas in Südvietnam) + Russland + China) gegen Südvietnam und USA und wer sonst noch auf deren Seite war.

Erst hat Kambodscha versucht neutral zu sein. Teile der Regierung wollten aber auch was vom Geld und Waffen der Amerikaner abhaben und so schloss man sich denen an. Das fand Nordvietnam doof und überrannte große Teile Kambodschas. Das wiederum fand Amerika doof, die dann anfingen Stellungen und Städte in Kambodscha mit Bombenteppichen einzudecken.

Alles in allem viele Parteien, viele Bomben und alles auf Boden von Cambodia.

Dann gab es innerhalb Kambodschas noch einen Konflikt zwischen den radikalen Kommunisten und der pro Amerika Regierung.

Die Gruppe, welche wiederum von anderen kommunistischen Ländern unterstützt wurde, übernahm dann mehr und mehr die Kontrolle im Lande bis sie die Regierung stürzte.

Die Partei war aber so drauf, dass sie Kommunismus pur anordneten und alles tötete was nicht genau in deren Ansicht passte. So wurden alle Stadtbewohner (inklusive Kinder), alle mit Kontakten ins Ausland, allgemein alle mit eigenen Besitz, alle die gebildet waren und viele weitere krasse Regeln radikal umgebracht.

Viele andere starben weil es nichts zu essen gab. Um Munition zu sparen wurden Kinder gegen Bäume geschlagen bis sie tot waren und solche Sachen. Der Völkermord ging unentdeckt von den Vereinten Nationen viele Jahre lang bis Vietnam das Land 1979 wieder einnahm. Dann wurde so langsam entdeckt was da vor sich ging und zwischen 2-3 Millionen Menschen (1/3 der Bevölkerung) in Massengräbern gefunden.

Es wurde dann von der UN ~1993 freie Wahlen organisiert um eine normale Regierung an die Macht zu bekommen. Also noch nicht so lange her das Ganze.

Schlimme Auswirkung von dem Ganzen ist das nach den vielen Kriegen das Land übersät ist mit Minen aller Art, Fallen(vergiftete Seen oder Bäume) und Bomben. So sterben heute noch jährlich 100 Menschen durch die weiterhin vorhandenen ~2 Millionen Minen im Land.

Der Guide hat dann auch bestätigt, was uns in Angkor Wat über die aktuelle Regierung erzählt wurde. Im Prinzip alles korrupt und bei weitem keine Demokratie. Nach seiner Aussage sind 80% im Land gegen die Regierung aber sie können eben nichts anderes wählen und Proteste werden gewalttätig unterdrückt. Die Wahl vor einigen Monaten wurde von den UN auch nicht akzeptiert.

Floating Village

Kann man machen, muss man nicht.

Habe noch nie so ein Dorf auf dem Wasser gesehen, daher war es ganz cool. Die Fahrt dorthin dauert etwas, aber auf dem Deck vom Boot ist es entspannt und der Sonnenuntergang auf dem See war auch cool. Kostet 23 USD + 5 USD vor Ort damit alte Damen einen per Paddelboot durch das Dorf kutschieren. Wenn man zu viel Zeit hat joa, aber kein Pflichtprogramm.

Circus

Ein wirklich cooler Abend war der Besuch im Zirkus von Siem Reap (18 USD Eintritt). Es wurde von vielen empfohlen, aber niemand von uns wusste was uns dort erwartet.

Stattgefunden hat es in einem kleinen sympathischen Zirkuszelt, in dem man direkt an der Bühne sitzt. Dort wurde per Tanz, Gesang, krasser Akrobatik: mit Bändern und Reifen von der Decke hängend oder einfach durch unmenschlicher Verbiegung des Körpers zu Live-Musik von den Artisten eine Story erzählt.

War echt ein guter Mix aus allem. Dazu kommt, dass dies eine Organisation ist, die Kindern und Jugendlichen aus armen Verhältnissen die Chance bietet kostenlos ein Ausbildung zum Artisten zu besuchen. Echt empfehlenswert!

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Pubstreet/Nachtleben/Nightmarket

Wie das so ist wenn es viele Touristen, Hostels und billigen Alkohol gibt, gibt es auch ein Nachtleben. Zwei Straßenecken sind voll mit Bars, Diskos und Verkaufsständen. Auch der Nightmarket ist riesig aber theoretisch gibt es paar verschiedene Arten von Shops (Klamotten, Bilder, Schmuck und so) und diese wiederholen sich dann x-fach.

Man kann Markenklamotten kaufen für 2-3€. Auch wenn die Fussballtrikots und alles gefälscht ist, ist es krass das man so einen Preis anbieten kann. Es muss ja trotzdem noch Gewinn für jemanden rausspringen. Wir zahlen dafür im Westen dann das 40-fache (Beispiel Trikot kommt hin) und hergestellt wird es bestimmt in der gleichen Fabrik.

Fazit von Kambodscha

Allgemein mag ich das Land echt und werde mir die fehlenden Ecken auch mal noch anschauen. Irgendwie finde ich die kleinen ärmeren Länder interessanter, als ein viel bereistes Urlaubsziel 😁

Nur sehr nervig war gegen Ende dieses durchgehende Bequatsche. Tuktuk, Massage, Ice-cream, jedes Restaurant, Schneider, jeder, abends dann Weed, Tuktuk!, Massage mit Happy End und und.

Das geht einem mit der Zeit echt auf den Senkel…! Aber so ist es dann hoffentlich nur im Tourizentrum.

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