Brasilien 🇧🇷 Karneval in Rio

Brasilien 🇧🇷 Karneval in Rio

Carnival in Rio – Carnaval do Rio – Karneval in Rio

Es ist soweit, Zeit über Karneval in Rio zu schreiben. Mal sehen mit wie vielen Bildern unterlegt 🙂

Im Prinzip kennt es jeder, es ist einem ein Begriff, jährlich wird es in den Medien mitgeteilt, dass wieder der größte Karneval oder die bekannteste Party der Welt stattfindet.

Dann sieht man in der Tagesschau Bilder und Videos von brasilianischen Frauen, die in farbenfrohen Kostümen, die wenig Haut bedecken, Samba vor einem riesigen und geschmückten Wagen tanzen. Man stellt sich das dann so vor wie bei einem normalen deutschen Faschingsumzug in Au am Rhein, bei der eine Gruppe nach der anderen vorbeizieht. Das ist aber ganz und gar nicht so!! 🙂 Die gezeigten Bilder sind vom Sambodromo, das gibt es auch, spielt aber eine untergeordnete Rolle.

Die eigentliche Party spielt sich auf der Straße ab, wo täglich 2 Millionen Menschen ausgelassen feiern. Dort ziehen sogenannte Blocos durch die Straßen, es spielen spontan, von vielen Menschen begleitete Musiker ihre Instrumente oder es trinken einfach alle friedlich am Strand, Park oder sonstigen Orten.

Um es in Kürze zu beschreiben ist Karneval in Brasilien verrückt, nackt, friedlich und einfach fröhlich. Es ist die Party des Volkes, der einfachen Bevölkerung. Es ist offen, bunt und farbenfroh.

Man sieht überall Menschen, die miteinander rumknutschen. Und das sind gefühlt genauso viele homo- wie heterosexuelle Paare. Im Prinzip genau das Gegenteil, für was der brasilianischen Präsident Bolsonaro steht. Dieser wird auch regelmäßig mit Sprechchören, wie “Bolsonaro du Hu***sohn!” beleidigt (frei übersetzt aus dem Portugiesischen).

Sehr cool ist, dass bei so vielen betrunkenen Menschen keinerlei Gewalt oder Aggressionen zu sehen sind. Die minderjährigen Alkoholleichen, die in Deutschland mittlerweile leider zu Faschingsumzügen gehören, gibt es nicht.

Wie ich im letzten Beitrag schon geschrieben, geht es einen Tag nach unserem Schmutzigen Donnerstag los mit der großen Party. Karneval in Rio geht offiziell von Freitag bis Mittwoch. Montag, Dienstag und Mittwoch sind Feiertage und somit haben alle Menschen frei und Zeit zum Feiern. Ein geregeltes und normales Leben ist im Zentrum von Rio sowieso nur schwer möglich.

Kostüm

Wie jedes Jahr steht man vor der schwierigen Frage, welches Kostüm man denn tragen möchte. Der Blick auf die Brasilianer und von dem Angebot, was man so am Straßenrand kaufen konnte, ließ vermuten, dass es etwas anderes als gewohnt und gleichzeitig nicht viel werden würde 😬

Bei den Temperaturen aber auch voll okay. Das normale Kostüm in Brasilien ist für den Mann recht feminin. Ein Röckchen und eine Kopfbedeckung sollten ausreichen. Frauen haben meistens eine Art Badeanzug plus Rock an und nicht selten sind Aufkleber als Brustbedeckung vollkommen ausreichend. Das Bild runden dann Blumenketten und ganz wichtig jede Menge Glitzer überall auf dem Körper ab. Wegen Platzmangel wird Bargeld im Schlüpper verstaut, Handy und so Kram bleibt sowieso zu hause.

Tobi und ich haben uns für Schlüpper, Blumenkette und Kopfschmuck in grün-gelben brasilianischen Farben entschieden, dazu gab es ein regenbogenfarbiges Röckchen. Mariella und Carina waren farblich ähnlich ausgestattet plus Bikinioberteil. Wir dachten das sei cool, warum auch nicht.

Jedoch wurde uns schon am ersten Tag mitgeteilt, dass es seltsam sei, wenn Weiße in Brasilien in grün-gelben Outfit rumlaufen. Ist eher faschistisch statt cool in Brasilien. Zu nahe an der rechtsorientierten Regierung. Naja wussten wir nicht. Den Bezug dazu haben wir ja sowieso nicht. Aber wir haben uns bisschen angepasst und auf regenbogenfarbige Blumenketten und Hasenohren gewechselt. Besser wie ein schwules Pärchen aussehen als Faschos 🙂

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Aber egal. Wir sind dann nach einer crazy Nacht in Lapa inklusive Wolkenbruch zum ersten Bloco nach Santa Teresa losgezogen. Dieser wurde uns empfohlen, denn es soll einer der schönsten Umzüge sein. Unglücklicherweise beginnt dieser jedes Jahr um 7 Uhr morgens 🙂 Also gut. Frühstücken mit Bier und los geht’s. Wir wussten vorher genauso wenig wie Ihr, was denn so ein Bloco überhaupt ist.

Im Zentrum eines Blocos befinden sich die Blocogruppe. Diese sind bei diesem Bloco im großen Viereck durch ein Band abgesperrt.

Musiker mit Bläsern, Trommlern und so weiter, einige Personen auf Stelzen und viele die Samba tanzen. Im Prinzip eine große Faschingsgruppe von 100 Leuten. Außenrum sammelt sich dann das Publikum und unzählige mobile Verkaufsstände, bei denen es Bier, Caipi oder Wassereis aus hochprozentigen zu kaufen gibt. Diese Ansammlung von Menschen schiebt sich dann durch die Straßen, an welchen weitere viele Menschen stehen.

In Santa Teresa ist das zudem sehr cool, da es recht enge Straßen sind, diese aber auf verschiedenen Ebenen. Dann werden Lieder gespielt, alle tanzen, mit Glitter statt Kamelle geschmissen und bei bekannten Liedern singen alle zusammen und es werden Sprechchöre angestimmt. Überragend! 😀

Diese Blocos finden jeden Tag, rund um die Uhr, teilweise gleichzeitig in ganz Rio statt. Online googlen oder bei Social Media’s finden sich Zeitpläne, wann und wo gestartet wird. Der größte Bloco (bei Wikipedia gefunden) bestand aus 5 Millionen (!!!) teilnehmenden Menschen. Unser Bloco war etwas kleiner aber super cool.

Und so feiert man sich Tag zu Tag, je nach Ausdauer von morgens bis abends von Straßenparty zu Straßenparty. Mal folgt man einem großen Bloco, mal nur einer spontanen 4-Mann-Band-Parade. Ab und zu geht man nach Hause und schläft ne Runde bis es nach dem Aufwachen wieder los geht 🙂

Man macht im Prinzip nichts anderes mehr. Kochen klappt nicht mehr wirklich, aber da es überall Stände mit allen möglichen zu essen gibt, passt das schon. Auch preislich ist alles voll okay. Essen und Trinken ist absolut bezahlbar. Echt gut gemachte Caipis an der Ecke gibt es für 2,50€ und das Bier ist auch günstig. Bilder und Videos gibt es nicht allzu viele, da nur Tobi sein Handy dabei hatte. Aber ich glaube selbst Bilder oder Videos vermitteln das Karneval-Feeling nicht wirklich nachvollziehbar.

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Sambodromo

Im Sambodromo finden die Paraden der Sambaschulen statt. Von hier kommen die berühmten Bilder, die jedes Jahr um die Welt gehen. Jedoch sind diese Paraden eher etwas für die Brasilianer mit etwas Geld oder für die Touris, da der Eintritt zu teuer für den kleinen Bürger ist.

Tobi und ich haben online Tickets gekauft für etwa 50€. Carina und Mariella haben es irgendwo auf der Straße für bisschen weniger Geld bekommen. Kommt aber auch drauf an wo man steht und an welchen Tag man hingeht. Es gibt eine Art Vorrunde, in der ein paar Sambaschulen ausscheiden, dann eine Hauptrunde, in der die Jury den Gewinner kürt und schlussendlich die Gewinnerparade, bei der die drei besten Sambaschulen nochmals antreten.

Das Stadion ist eigentlich eine breite Straße, an welcher rechts und links riesige Tribünen aufgebaut sind. Ingesamt passen 88.500 Menschen auf die Tribünen. Wir hatten Plätze in Sektor 4. Also relativ nah am Start und direkt gegenüber der Jury. Eigentlich perfekt. Je weiter man zum Ende des Stadions steht, desto teurer wird es. Vor der Jury hauen die Gruppen alles raus was sie können, weswegen wir unseren Platz opti fanden.

Wir wussten eigentlich gar nicht so recht was auf uns zukommt. Sind mal hingegangen und haben uns auch nie groß Gedanken gemacht, was das überhaupt sein könnte. Ich glaube innerlich dachten wir an so ein fussballspielartiges Ding. 20:45 Uhr geht es los und dann geht man halt wieder nach Hause. Hatten unser sehr männliches Outfit ohne Oberteil und 2 Wegbiere dabei. Waren uns noch unsicher ob man das Bier mit rein nehmen darf und haben unser Bier vorm Einlass schnell geleert. Anfänger!

Um 22 Uhr ging es dann mit großen Feuerwerk (wie bei jeder Gruppe) los. Nach einiger Zeit (40 Minuten oder so) haben wir um uns rum nachgefragt, welche Gruppe denn mittlerweile am Laufen ist. Uns wurde dann etwas verstört geantwortet, dass es natürlich noch die Gruppe Nummer 1 sei und jede Sambaschule eine Stunde Zeit hat sich zu präsentieren.

Ahja. Am Abend sollten 7 Schulen antanzen und zwischendrin sind etwa 10 Minuten Pause um kurz die Straße zu fegen. Kurz nachgerechnet wurde uns klar, dass es ein relativ langer Abend werden könnte 🙂 Dann wurde uns auch klar, warum alle anderen gut vorbereitet mit Sitzkissen, recht warmer Kleidung und mit Bier und Häppchen in den gut gefüllten Kühlboxen neben uns saßen. Und wir machen uns Sorgen um ein Bier…!

Der Aufbau der Sambagruppen ist jedes Mal gleich. Es gibt ein Lied das etwa 3-4 Minuten dauert und in Dauerschleife läuft. Dazu wird eine Stunde gesungen und getanzt. Jede Schule hat ein Motto und darauf alles ausgelegt. Es werden auch gesellschaftskritische und politische Themen aufgegriffen.

Vorneweg marschiert immer der Musikverein mit voller Kapelle, dann gibt es eine Tanzgruppe, die sowas wie ein Theaterstück aufführt, eine Frau und Mann die zusammen krass schnelles Samba tanzen und zwischendrin super viele Menschen, gigantische und geschmückte Wagen und und und! Insgesamt laufen etwa 6000 (!) Menschen für eine Sambaschule mit.

Jede Gruppe wird von der Jury in verschiedensten Kategorien bewertet und am Sonntagabend, nachdem sich alle Gruppen präsentiert haben, wird dann live im TV der Sieger gekürt.

Und so sitzt und tanzt man dort abwechselnd bis es morgens wieder hell wird 🙂 Jeder hat so seine Tiefs, viele schlafen ein, wachen auf und tanzen weiter.

Es ist schon überwältigend was da geboten wird und wie viel Aufwand in den Kostümen, den Wagen (ich meine das sind teilweise Hightechwagen mit 3-4 Anhängern, auf denen bewegliche Drachen Rauch und Feuer spucken, hunderte Menschen drauf tanzen und Typen aus dem Bauch des Wagens mit einem Jetpack geflogen kommen!!?) und Vorbereitung steckt. Das ist ein Jahr Vorbereitung auf höchsten Level. Respekt! Auf jeden Fall Pflicht ein Mal im Leben dort zu sein 😉

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Karneval ist nur ein Mal im Jahr

Und so feiert man Tag für Tag auf der Straße, eine Nacht im Sambodromo und dann wieder auf der Straße Karneval in Rio de Janeiro. Weiß gar nicht was ich noch schreiben soll. Es war auf jeden Fall eine überragende Woche mit viel Spaß.

Dazu beigetragen hat auch unsre glitzernde Rio-WG, in der sich ausgeruht oder auf die nächste Party vorbereitet wurde. Kochen war während Karneval solala. Die Versuche Guacamole oder Spaghetti zu kochen waren zwar vorhanden, aber ich hülle mal den Mantel des Schweigens darüber 😬 Ein Yoguretteabendessen tut es dann auch (Danke Mama&Papa 😊).

So wurde zu brasilianischer Musik Twerken geübt oder Helge Schneider zum Besten gegeben. Mit nur einem Schlüssel wurde die Wohnung auch nie abgeschlossen. Ich meine wer würde in der ehrlichsten Stadt der Welt einbrechen wollen. Es war eine überragende Zeit. Vielen Dank an alle Beteiligten! 😘

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