Auf dem Amazonas 🇧🇷 In der Hängematte von Tabatinga nach Manaus

Auf dem Amazonas 🇧🇷 In der Hängematte von Tabatinga nach Manaus

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und so stand die Heimreise an!

Eine der letzten Stationen meiner Weltreise war die Reise auf dem Amazonas per Boot und in der Hängematte von Tabatinga (Leticia) nach Manaus.

Von mitten im Regenwald nach Würmersheim zu kommen ist gar nicht so einfach.

Option Nummer 1 von Leticia aus ist per Flugzeug zurück nach Bogota und von dort weiter nach Deutschland, was teuer und langweilig gewesen wäre. Option Nummer 2 ist per Boot den Amazonas entlang nach Brasilien und von dort per Flugzeug nach Hause. Da es günstige Angebote gibt von der Airline der Kapverden, von Brasilien nach Rom oder Mailand zu fliegen und ich bei dieser Variante noch paar Tage in Brasilien am Strand verbringen konnte, habe ich mich dafür entschieden.

Aber es stand noch ein letztes Highlight an. Fällt zwar schon unter Heimreise, aber war trotzdem eine Erfahrung wert!

Das Hängemattenboot!

Weiterhin mit Carina unterwegs, konnten wir ein letztes Stückchen zusammen reisen und haben eines dieser langsamen und günstigen Boote über den Amazonas genommen.

Langsam heißt das Boot benötigt 4 Tage von Leticia beziehungsweise Tabatinga nach Manaus. 4 Tage in einer Hängematte liegen und nichts tun 🙂

Gleich vorneweg. Es klingt nach einer langen Zeit, aber irgendwie verging es sehr viel schneller, als man sich es vorstellt. Man macht zwar nicht viel, aber trotzdem hatten wir keine Langeweile. Lag wohl daran, dass wir beide am Ende unserer langen Reise waren und uns über alles und vieles unterhalten konnten. Es war so als Abschluss genau richtig, um sich alles mögliche durch den Kopf gehen zu lassen und irgendwie die Gedanken etwas ordnen zu können.  

Vielleicht lag es aber auch daran, dass man komplett seine Energie verliert und viel schläft 🙂 So war der Gang zum Essen schon sehr aufregend, wovon man sich dann erstmal erschöpft ausruhen musste.

Die Hauptverkehrsader im Amazonasgebiet ist der Fluss – der Amazonas! Es fahren schnelle und langsame Boote den Fluss rauf und runter. Das schnelle Boot benötigt 2 Tage und kostet 115€. Das langsame Boot benötigt 4 Tage und fährt nur mittwochs und samstags ab. Bezahlen mussten wir 52€ für 3 Übernachtungen und All-Inclusive-Programm 😉 Ein Einzelzimmer ist für den Preis nicht drin. Dafür kommt man in den Genuss auf einer 200-Mann-Etage zu schlafen 🙂

Aber ich bin schon viel zu weit. Los ging es früh morgens nach dem bekannten, etwas zu späten, Aufstehens noch in Leticia, Kolumbien. Wir hatten noch kein Ticket fürs Boot und weder Hängematte noch Verpflegung. Wir gingen davon aus, dass es das alles am Hafen am Boot gibt.

Ausreisen

Außerdem mussten wir noch schnell Aus- und Einreisen. Da es, wie erwähnt, keine Grenze gibt, muss man die Orte erst finden, wo man dies machen kann. In Kolumbien befindet sich das Grenzhäuschen stilecht auf dem Amazonas. Man zeigt seinen Reisepass und bekommt den Stempel fürs Auschecken. Ging schnell und reibungslos. Und die Frau hinter uns hat Carina sogar noch ihre Hängematte verkauft und uns ein Aufbewahrungsnetz geschenkt

Einreisen

In Brasilien kann man bei Polizeistationen im anderen Teil der Stadt einchecken. Dort hat aber alles etwas länger gedauert. Der eine Beamte hatte mit der Frau vor uns sehr viel und lange zu tun und so rannte uns etwas die Zeit davon. Probleme beim Bargeld abheben zuvor, war dazu auch nicht förderlich.

So tickte die Uhr und wir hatten noch immer kein Ticket. Naja also alles just in time. Nach ewigen Minuten des Wartens waren wir offiziell in Brasilien angekommen und los ging es per Scootertaxi zum Boot. Es war zum Glück noch am Hafen. Tickets gibt es vor Ort.

Im Eiltempo habe ich noch schnell eine Einkaufstour mit meinem Rollerfahrer gedreht und Proviant (Wasser, Müsli + Milchpulver und Powerbars), Hängematte und Frühstück gekauft, um dann gerade so in der Zeit am Hafen paar Minuten vor Abfahrt um 9 Uhr anzukommen.

Aber irgendwie saßen noch alle Menschen ganz gechillt rum. Wir haben dann so langsam verstanden, dass die Uhrzeit in Brasilien eine Stunde hinter Kolumbianern tickt…! Also eigentlich alles gut geplant und wir hatten unbewusst eine Stunde Puffer eingebaut. Naaaja! Etwas Stress umsonst gemacht 🙂

Boot entern

Beim Einlass aufs Boot mussten dann alle ihr Gepäck abstellen, damit Drogenspürhunde darin ihr Spielzeug erschnüffeln können. Auch wenn man weiß, dass da nichts ist, ist man irgendwie immer etwas unruhig ^^

Dazu wurde ein Gepäckstück rausgepickt und vor allen anderen wartenden Leuten von 5 Polizisten kontrolliert. Tata es war mein grüner Rücksack.

Ich glaube die brasilianische Polizei setzt ganz stark auf Präsents zeigen und einen auf dicke Hose machen. Während der Fahrt, haben die gleichen Polizisten das Boot geentert, unfreundlich Ausweise kontrolliert und einen Mann mit Handschellen vor allen anderen auf den Boden gesetzt. Kein Plan was das soll. Etwas too much. Und die Brasilianer wirkten auch eher genervt von der Polizei.

Aber da ich ja nix zu verbergen hatte, fand ich es nicht schlimm. Sie haben wirklich jedes noch so kleine Eck meines Rucksacks geöffnet, den kompletten Inhalt ausgeleert, Wäschebeutel geöffnet, jede Socke kontrolliert und Dinge gefunden, die ich schon vermisst hatte. Naja es gab lediglich Lob für meine Ordnung im Rucksack und so konnte die Fahrt losgehen.

Der Luxusliner

Es war so eine große Fähre mit 3 Ebenen und auf jeder Ebene ist Platz um seine eigene Hängematte anzubringen, in welcher man dann die Zeit verbringt. Wobei das untere Deck als Ablage für größere Güter benutzt wurde. Beim wohnlich Einrichten wird sehr platzsparend vorgegangen und man liegt im Prinzip Arm an Arm in der Hängematte mit seinem Nachbarn.

Ein guter Platz ist wohl nicht auf der untersten Ebene, da dort der Motor am lautesten ist und nicht am Rand, da es dort durch den Fahrtwind ziehen kann. Ansonsten nimmt sich der Hängemattenplatz nicht viel. Wir hatten noch so ein Netz geschenkt bekommen, was man über die Hängematten spannen kann, um Gegenstände, die man immer mal wieder benötigt, griffbereit und sein Hab und Gut im Auge hat.

Auf dem obersten Deck gibt es einen kleinen Imbiss und ein Aussichtsdeck zum Chillen und aufs Wasser schauen. Ein Essensraum ist vorhanden und im hinteren Bereich sind die Toiletten inklusive Duschen und Waschbecken angebracht, wo man sich mit frisch hochgepumpten braunen Amazonaswasser (inklusive kleiner Tierchen) waschen kann 🙂

Keine Ahnung warum Videos immer gedreht wird!

Tag für Tag

So ein Tagesablauf ist dann immer recht ähnlich. Sobald der Wärter in seine Trillerpfeife für Frühstück, Mittagessen oder Abendessen pfeift, verlässt man seine Zelle, schlurft zur Anstehschlange der Essensausgabe, wartet bis man dran ist, bekommt einen Schöpfer auf seinen Teller geflatscht und isst das leckere Essen auf den sterilen Alustühlen und Tischen. So wie man sich das auch in Filmen über Gefängnisse vorstellt 🙂

Anschließend legt man sich wieder hin und versucht das Essen bestmöglich zu verdauen ohne Probleme mit dem Magen zu bekommen. Krass sind Ausflüge aufs Oberdeck oder in die Dusche. Das schafft man nur jeden zweiten Tag!

Aber nein – so schlimm ist es eigentlich nicht. Das Essen ist okay. Nicht geil, aber okay. Es gibt sogar eine kleine Auswahl. Aber meistens Fleisch! Fleisch mit Nudeln oder Reis. Carina ging es zwar teilweise nicht so gut und mein Magen war etwas flau, aber das kann auch am Trinken gelegen haben und am Einstellen aller körperlichen Aktivitäten.

Essensraum:

Zu zweit reisen ist auch schön!

Als Alleinreisender schwärmt man ja immer vom alleine Reisen! Und es ist auch mega cool. Man ist frei und kann machen was man möchte. Der Punkt ist der, dass man in Wahrheit ja gar nicht alleine ist, sondern super viele Menschen kennenlernt, die man nicht kennenlernen würde, wenn man in einer Gruppe reist.

Aber dazu muss man Bock auf andere Menschen haben. Und nach einer gewissen Zeit nerven die typischen Hostelgespräche etwas und es ist anstrengend immer wieder die gleichen Diskussionen zu führen.
Daher war es super cool die Carinie unter crazy Bedingungen beim Carneval del Rio getroffen zu haben. Wir waren beide seit ungefähr der gleichen Zeit unterwegs, hatten einen ähnlichen Plan durch Südamerika zu reisen und waren beide in der Stimmung, dass eine kleine Pause von diesem Alleinereisen schön wäre.

So war es einfach super entspannt einige Zeit darauf zu verzichten im Hostel neue Menschen kennenlernen zu wollen/müssen. Eine kleine Auszeit vom Backpackingleben. Wenn man längere Zeit zusammen ist und sich besser kennenlernt gibt es dementsprechend andere Gesprächsthemen und eine andere Ebene, auf der man sich unterhalten kann.

Natürlich muss es auch passen und mit der Carina hat es super gepasst! Wir haben in vielen Dingen ähnliche Einstellungen und Ansichten. Wobei Carina einen ganz seltsamen Essensgeschmack hat!! Da läuft einiges schief. Aber wir haben uns dadurch gegenseitig immerhin nichts weggeschnappt 😉

Es hat das Reisen nochmals erweitert und es war eine coole Erfahrung weite Strecken Südamerikas zusammen zu erkunden und zu erleben. Man kann andere Dinge machen. Uruguay und Teile Perus wären alleine sehr einsam gewesen und ich hätte mir sowas dann auch nicht eingeplant.

Genauso wären die 4 Tage auf dem Boot ganz anders gewesen Vielleicht wäre es ganz und gar nicht toll geworden, aber so war es mega cool und tiefgründig 😉

Wir haben eine Menge erlebt und durchgemacht. Vielen Dank für jedes gesungene Kinderlied, jede Menge Spaß und eine überragende gemeinsame Zeit! 🙂

Weiter im Programm

Nach Ankunft in Manaus trennten sich dann unsere Wege. Nicht so untypisch für unsere gemeinsame Zeit, mussten wir den Hafen entlang sprinten, um das nächste Boot von Carina von Manaus nach Belem zu bekommen, mit welchem sie weitere 4 Tage auf dem Amazonas verbringen sollte.  

Für mich ging es am gleichen Tag abends per Flugzeug von Manaus über Belem nach Fortaleza!

Wie es sich gehört ein Fazit

Das Reisen in der Hängematte auf dem Amazonas war auf jeden Fall eine sehr coole Erfahrung. Ich wiederhole mich, wenn ich erwähne, dass es viel interessanter ist langsam zu reisen, statt per Flugzeug.

Leider waren es nur wenige Tage im Regenwald. Eine Ecke, in die ich auf jeden Fall nochmals kommen werde!

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