Straßenblockade von Bolivien nach Perú 🇧🇴🇵🇪

Straßenblockade von Bolivien nach Perú 🇧🇴🇵🇪

Von Bolivien, Titicaca-See sollte es dann nach Peru, Richtung Cusco und Maccu Picchu gehen, jedoch wurde aus einer kleinen Busfahrt ein großes Abenteuer.

Geplant war eine 9-stündige Busfahrt, eigentlich ein Katzensprung für Südamerika, wo das Reisen mit dem Bus übrigens super entspannt ist. Diese Vorstellung des Bummelbusses, welcher täglich die Klippen runterfallt und das Gepäck auf jeden Fall geklaut wird, ist kompletter Quatsch. Das Reisen per Bus ist sicher und (meist) angenehm.

Der Tag ging früh los. Der Plan war bereits früh morgens aus dem Hostel auschecken, eine Tagestour zur Isla del Sol auf dem Titicaca-See zu machen und dann abends direkt den Nachtbus nach Cusco zu nehmen.

So machten Ani & Dani, Carina und ich uns ganz normal auf den Weg Richtung Peru. Es lief auch alles ohne Probleme. Grenzkontrolle mega entspannt und ein bequemer Bus, in dem man nach einem langen Tag gut schlafen konnte.

Gut schlafen war bis etwa 2 Uhr nachts angesagt, als der Bus stoppte und es irgendwie etwas Aufregung gab. Beim verschlafenen Blick auf die Straße, konnte man Straßenblockaden in Form von großen Steinen und Baumstämmen entdecken. Daneben saßen Einheimische, die bei Bier und Wein ihre Freude hatten. Hm naja. Was soll’s dachten wir uns. Laut Routenplanung wären wir gegen 5 Uhr morgens in Cusco angekommen, was sowieso viel zu früh ist um ein Hostel zu finden und einzuchecken. Also wieder ab in den warmen Bus und weiter schlummern.

Dies klappte auch ganz gut bis es hell wurde. Gegen 6 Uhr hatte sich das Bild aber nicht verändert. Die Einheimischen waren weg, aber die Straßen waren voll mit Gerümpel. Wir haben dann angefangen es soweit wegzuräumen, damit der Bus vorbeifahren konnte. Dies ging solange gut, bis wir an einem Dorf ankamen und wir etwa Bus Nummer 50 in der Schlange waren, die alle vor richtigen und nicht wegräumbaren Straßensperrungen standen. In der Gegenrichtung auf der anderen Seite der Blockade das gleiche Bild. Ahnungslos haben wir versucht etwas herauszufinden, was da los ist und wieso niemand das Dorf passieren darf. Aber naja irgendwie waren die Einheimischen nicht gesprächsbereit und es hatte niemand so genau Plan, wann es weitergehen sollte. Die Peruaner liefen im Pulk durchs Dorf und forderten irgendwas. Alle Geschäfte und Restaurants waren geschlossen und so war dann eben die Situation. Anfangs noch interessant und witzig, wurde einem klar, dass wohl nur Abwarten auf ein ungewisses Ende der Blockade möglich ist.

Etwas gemein war, dass niemand von den Busreisenden auf so etwas eingestellt war und dementsprechend nichts zu essen dabei hatte. Wir haben noch bisschen Milchpulver, Müsli und 2 Äpfel in unsren Taschen gehabt. Immerhin.

Die Stimmung drohte mal kurz zu kippen, als die Touristen angefangen haben die Blockaden wegzuräumen und die Busse etwas voranrollten. Das fanden die Locals nicht cool und es wurde etwas gereizter. Aber ganz witzig war, dass wir 4 Deutsche die Stimmung wieder entspannt haben 🙂 Carina und Ani haben auf so einem Blockadebalken balanciert und mussten runterspringen, als ein Peruaner auf irgendwas getrommelt hat und der laute Ton sie erschreckte. Das fanden alle witzig und daraufhin kam der Vorsprecher zu uns und hat mit uns geplaudert. Und ja eigentlich waren sie mega lieb. Wir meinten, dass wir halt Hunger haben, worauf die Damen etwas Brot aus ihren Röcken gezaubert und uns gegeben haben. Im Anschluss sind wir noch zusammen mit den Peruanern Seil gesprungen und es wurde bisschen getanzt. Entertainment statt Aggressionen!

Bei der mittags abgehaltenen Dorfrunde, konnten wir dann heraushören, dass es um Wasser geht. Anscheinend hat die Regierung vor, das Trinkwasser (aus dem Fluss oder aus den Bergen?) zu verkaufen. Wahrscheinlich zu privatisieren und damit Geld zu machen. Den Dörfern und Bauern also ihre Grundlage zum Leben und Arbeiten zu klauen. Was natürlich ein super verständlicher Grund ist, sauer zu sein. Und damit die Regierung zuhört und um Druck auszuüben, werden die Touristen festgehalten. Natürlich ist es eine nervige Situation. Man sitzt da rum und kann nichts machen. Wir hatten noch nichts gebucht. Weder Hotel oder eine Tour in Cusco, daher war es okay. Aber bei durchgetakteten Reisenden, ist sowas schon ärgerlich.

Wir haben versucht das Beste daraus zu machen. Ärgern bringt eh nix. Es gab nach der Diskussionsrunde sogar leckeren und kosntelos Eintopf mit Nudeln und Gemüse für alle. Aber ja das Ganze hat sich dann schon gezogen und man wusste auch nicht wie lange sie das durchziehen möchten.

Schlussendlich wurde gegen 18 Uhr, nach 15 Stunden, die Blockade aufgelöst. Wir waren zufällig wieder ganz vorne und haben das Zeug weggeräumt.

Also ab nach Cusco. Dachten wir zumindest. Keine halbe Stunde später kamen wir im nächsten Dorf an und dort das gleiche Bild. Nur bisschen radikaler. Dort brannten die Barrikaden und die Polizei war im Anmarsch. Hat sich wieder 1-2 Stunden gezogen und ja als wir am Brandherd anspaziert kamen, hat sich das Ganze gerade aufgelöst. Also wieder anpacken und zusammen mit der Polizei Steine, Bäume und brennende Haufen mit Bambusbüschel von der Straße kehren.

Und ja irgendwann nervt es halt wirklich. Aber wir kamen spät abends ausgelaugt mit leeren Magen und doch einigermaßen angenervt in Cusco an! Siehe Abschlussbild 😬 Aber geschafft! Aus einer kleinen Busfahrt wurde ein Abenteuer. Aber gerade das macht das Reisen ja spannend. Unvorhergesehene Ereignisse.

Aber noch kurz zu den Farmern. Total verständlich! Ist wohl keine einmalige Sache gewesen, was man so im Internet liest. Die Regierung bewegt sich in der Sache nicht und wenn das so bleibt, werden die Blockaden immer mehr und länger. Wenn sie wollen können sie die wenigen Straßen im Gebirge Richtung Cusco und Machu Picchu dauerhaft blockieren. Umwege gibt es nicht. Also lasst den Bauern ihr Wasser. Sowas gehört keinen Privatpersonen und damit darf kein Profit gemacht werden! Viel Erfolg beim Protest! ✊

Wenn ich gerade dabei bin. In den Salzwüsten zwischen Bolivien, Chile und Argentinien gibt es viel Lithium. Dieses Lithium wird dort sehr profitabel abgebaut, um den Bedarf der westlichen Welt an Akkus zu stillen. Abbauen heißt sehr viel Grundwasser (Trinkwasser) in große Pools zu pumpen. Das Wasser verdampft mit der Zeit und zurück bleiben die Mineralien. Unter anderem Lithium. Großer Nachteil bei der Sache ist, dass natürlich auf Schutz der Umwelt keine Rücksicht genommen wird. Das Grundwasser sinkt immer weiter ab und die Lagunen, welche gleichzeitig Trinkwasserquelle der kleinen Bauern in den Anden sind, versalzen mehr und mehr. Dem kleinen Bauern, der mit seinen Lamas schon immer in den Bergen wohnt und am wenigsten für einen Klimawandel kann, wird seiner Lebensgrundlage beraubt, damit wir “saubere” Elektroautos und alles andere mit Akku herstellen können…! Genauso haben die Tiere vor Ort immer weniger zu trinken und verschwinden.

Man kann schon Lithium abbauen und die Auswirkung auf die Natur gering halten, wenn man gewisse Schutzmaßnahmen einhält. Aber da immer schneller und immer mehr Lithium abgebaut wird und gierig Geld verdient werden möchte, wird das einfach nicht gemacht. Leider: Geld > Umwelt

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